28/3/2016 - Archbishop Gänswein interview with Domradio.de

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28/3/2016 - Archbishop Gänswein interview with Domradio.de

Postby Sonia » Mon Mar 28, 2016 7:06 pm

28 March 2016

Dear Members,
Archbishop Georg Gänswein has personally given permission for the following interview to be added on the Archbishop Georg Gänswein Website Forum.


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Archbishop Georg Gänswein interview with Domradio.de
Part 1

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Teil 1 "Karfeitag ist der Preis für Ostern"

Im großen domradio.de-Interview spricht Erzbischof Georg Gänswein ausführlich über Ostern, seine Arbeit und die Theologie der Kar- und Ostertage. Im ersten Teil: Die Bedeutung des Karfreitags und das Heilige Jahr der Barmherzigkeit.

domradio.de: "Es ist vollbracht." Mit diesem kleinen Satz berichtet Johannes vom Tod Jesu Christi. Was geht in Ihnen vor, wenn Sie das lesen oder hören?

Erzbischof Georg Gänswein (Präfekt des päpstlichen Hauses): Jedes Jahr in der Karfreitagsliturgie ist dieser Satz einer der Spitzensätze, der uns lehrt und hilft, das Geheimnis des Karfreitags, das Geheimnis des Kreuzes zu verstehen. Ob wir das jemals ganz verstehen, wage ich zu bezweifeln. Jahr für Jahr sind wir vielleicht näher dran. Ich weiß jedoch nicht, ob wir es ganz schaffen. Er hilft mir, tiefer in das Kreuzesgeheimnis hinabzusteigen und dieses Geheimnis auch im Glauben auszuhalten.

domradio.de: Wie verstehen Sie diesen Tag denn?

Gänswein: Karfreitag ist der Preis für Ostern, für die Auferstehung Christi und für all jene, die an die Auferstehung glauben. Dieser Tag hilft mir tatsächlich in diesem Geheimnis auch all das, was mir schwerfällt, was ich als Kreuz zu tragen habe angesichts dieses Geheimnisses, besser zu tragen und im Glauben an Jesus Christus besser tragen zu können.

domradio.de: Ist der Tag komplett anders ist als alle anderen Tage im Jahr?

Gänswein: Er ist äußerlich nicht anders. Karfreitag ist ähnlich wie die anderen Tage, aber er ist anders gefüllt. Die Liturgie hilft mir, von äußeren Umständen Abschied zu nehmen, mich auf das eigentliche Geheimnis des Karfreitags hinzuführen, ihm auszusetzen und mich von ihm führen zu lassen. Die Stimmung ist stiller, es gibt weniger Lärm. Das spüre und merke ich und das tut aber auch gut.

domradio.de: Gerade hier bei uns in Deutschland gibt es Jahr für Jahr Diskussionen um die Karfreitagsruhe. Was ist Ihre Meinung? Ist das Pflicht oder ist es Respekt dem Glauben gegenüber?

Gänswein: Wer den Glauben ernst nimmt, der kann und muss zwischen "Essentials" und "Optionals" unterscheiden. Die Stille an Karfreitag, meine ich, gehört nicht zu den "Optionals", sondern auch zu den "Essentials", denn der Glaube und das Geheimnis des Glaubens sind Dinge, die mir helfen, mein Leben besser zu verstehen. Da ist jeder Preis zu bezahlen.

domradio.de: Der Karfreitag ist in Italien kein Feiertag wie hier in Deutschland. Mussten Sie sich zu Anfang Ihrer Zeit in Rom daran gewöhnen, dass an dem Tag die Geschäfte geöffnet haben?

Gänswein: Das ist in der Tat so. Ich musste mich nicht nur daran gewöhnen, ich war am Anfang entsetzt. Aber die Wirklichkeit ist stärker als persönliche Empfindungen. Auf der anderen Seite ist es so, dass im Vatikan selbst - obwohl der Vatikan in Rom liegt - doch eine andere Stimmung herrscht. Ich musste mich aber tatsächlich erst an das römische Klima in dieser Form gewöhnen.

domradio.de: Mit Tagen wie Karfreitag oder auch Heiligabend verbinden wir auch besonders Erinnerungen aus unserer Kindheit. Wie haben Sie den Karfreitag in Ihrer Kindheit und Jugend erlebt?

Gänswein: Ich erinnere noch sehr gut als Ministrant. Die Glocken schweigen auch in der Liturgie, nicht nur die Kirchenglocken. Wir hatten damals als Ministranten diese Klöppel und das war das, was mich mordsmäßig überzeugt hat. Wenn ich daran denke wird immer wieder lebhaft, dass diese Form des Karfreitags, das Schweigen der Glocken und das Sprechen der Holzglocken, anspricht. Das zieht mich hinein in die Jugend und weckt große, gute, dankbare Erinnerungen.

domradio.de: Ist der Karfreitag ein Tag, den Sie auch immer wieder neu entdecken müssen?

Gänswein: Jedes Jahr versuche ich von vorn anzufangen oder weiter zu machen und jedes Jahr hoffe ich, dass ich ein kleines Stück weiterkomme.

domradio.de: Fällt es Ihnen nicht manchmal schwer, am Karfreitag von Erlösung zu sprechen?

Gänswein: Warum muss Gottes Sohn am Kreuz sterben, um uns zu erlösen? Warum hat Gott nicht einen anderen, weniger qualvollen Weg gewählt? Wir wissen es nicht. Wir wissen aus der Offenbarung, dass es so ist, dass wir diesen Weg mit dem Herrn mitgehen sollen und dass er um unseres Heiles Willen gestorben ist. Mitzugehen, besser zu verstehen, mitzufühlen ist etwas, das den Glauben wachsen lässt und das mich auch im Glauben weiter und tiefer trägt.

domradio.de: Papst Franziskus hat wenige Tage nach seiner Wahl bei seinem allerersten Kreuzweg am Kolosseum genau das gesagt: "Setzen wir jetzt diesen Kreuzweg im Alltagsleben fort. Gehen wir, indem wir dieses Wort der Liebe und der Vergebung im Herzen tragen." Wie kann man denn das Kreuz im Alltag verstehen und bewegen?

Gänswein: Das Entscheidende ist das Wort des Herrn: "Wer sein Kreuz nicht auf sich nimmt, ist meiner nicht wert, kann nicht mein Jünger sein." Die Kreuze sucht man sich nicht selbst, das ist auch besser so. Kreuz tragen heißt Anteil nehmen, auch am Schweren, an dem, was uns nicht gefällt, was uns schwer fällt. Aber im Blick auf den kreuztragenden Herrn ist es für mich eine große Hilfe, den Satz von Papst Franziskus nicht nur zu hören, sondern ihn auch zu leben. Dass ich das, was ich mit dem Ohr aufgenommen habe, im Herzen erwäge und auch im konkreten alltäglichen Tun vollziehe.

domradio.de: Wenn der Karfreitag der Grund der Erlösung der Menschen ist, müsste er eigentlich doch auch ein Grund zum Feiern sein, oder?

Gänswein: Das ist in der Tat so! Nur ist die Art der Feier des Karfreitags eine andere als die Feier in der Osternacht, am Ostersonntag. Wir feiern in einer dem Geheimnis angemessenen Form. Darauf kommt es an und darauf legt ja auch die Liturgie einen sehr großen Wert.

domradio.de: Dennoch hat man das Gefühl, gerade hier in Deutschland - und möglicherweise auch in vielen anderen Ländern Europas - fällt es schwer, den Menschen die Bedeutung des Karfreitags deutlich zu machen. Braucht es da neue Wege, muss man da vielleicht sogar neu erklären?

Gänswein: Das glaube ich auch. Auf der anderen Seite ist es so: Menschen, die im Glauben großgeworden sind, durch die Liturgie auch geprägt worden sind, die sind auch vom Inhalt dieses Tages geprägt worden. Da hilft die Liturgie in der Tat, sich diesem Geheimnis immer wieder neu zu stellen. Aber wenn wir um uns schauen, sehen wir, dass viele Menschen mit dem Glauben fast gar nichts mehr zu tun haben. Da ist es wichtig, in der Katechese neue Wege zu finden und den Mut zu haben, neue Wege zu verkünden und auf neuen Wegen dem Geheimnis von Karfreitag besser auf den Grund zu kommen.

domradio.de: Wenn Sie den Karfreitag in nur einem Satz erklären müssten, wie würde der lauten?

Gänswein: Gott liebt den Menschen auch und gerade in der Not.

domradio.de: Der Papst hat am 8. Dezember ein Hl. Jahr eröffnet. Ist trotz der vielen besondere Gottesdienste und Veranstaltungen das Osterfest absoluter Höhepunkt des Jahres?

Gänswein: Es bleibt der absolute Höhepunkt des Jahres - gerade im Jahre der Barmherzigkeit.

domradio.de: Nach der Karfreitagsliturgie wird ja in vielen Gemeinden die Möglichkeit zur Beichte angeboten. Auch Papst Franziskus ist die Beichte ein wichtiges Anliegen. In vielen westlichen Ländern ist sie aber zum Auslaufmodell geworden. Wie kann man dieses Sakrament wieder neu beleben?

Gänswein: Wer selber regelmäßig beichtet, weiß, wie geistig wohltuend und notwendig dieses Sakrament ist. Jeder, der aus dieser Erfahrung lebt - auch gerade als Priester - der wird nicht müde werden, tatsächlich Menschen einzuladen, dieses Sakrament zu empfangen. Wo Menschen großen Abstand zu diesem Sakrament haben, muss man alles tun, um die Hindernisse, die Not, die Sorge, möglicherweise auch die Scham zu nehmen. Die Gefahr ist immer: Wenn ich etwas sage, was denkt er dann über mich? Es geht nicht darum, was ein Priester denkt, sondern es geht darum, dass durch den Priester Gott selbst in das Leben eines Menschen eingreift und dass durch dieses Sakrament wirklich konkrete geistliche Hilfe geboten und auch gewährleistet wird.

domradio.de: In diesem Zusammenhang hat der Kölner Weihbischof Ansgar Puff einen sehr deutlichen Vergleich gezogen: Der Beichtstuhl ist so etwas wie die Müllabfuhr.

Gänswein: Das ist ein schönes Bild, was mir gefällt. Ich gebe ihm recht: Wenn ich selber aus dem Beichtstuhl steige, merke ich in der Tat, dass ich Müll entsorgt habe. Und zwar nicht wild - es gibt ja auch eine wilde Müllentsorgung und ich schmeiße den Dreck in den Wald - sondern geordnet. Ich gehe in den Beichtstuhl und lasse mir dort die Sünden vergeben. Das ist geordnete Müllabfuhr.

domradio.de: Unter Barmherzigkeit kann man ganz unterschiedliche Sachen verstehen. In Deutschland werden damit auch kirchenpolitische Dinge verbunden wie die zivil-wiederverheirateten Geschiedenen. Was können sie denn in diesem Heiligen Jahr von der Kirche erwarten?

Gänswein: Barmherzigkeit ist ein ganz wichtiges zentrales Wort, aber man muss immer aufpassen. Man darf die Barmherzigkeit nicht gegen die Wahrheit ausspielen und die Wahrheit gegen die Barmherzigkeit. Es ist sehr wichtig, dass wir da das Gleichgewicht finden und halten. Ich bin überzeugt davon, dass auch die Menschen, die sakramental gebunden sind, aber geschieden und sich zivil wiederverheiratet haben, dass sie in dem, was das Jahr an Barmherzigem bringt, für ihr geistiges Leben und für ihre Not eine große Hilfe erfahren werden.

domradio.de: Es sind nicht ganz so viele Pilger wie erwartet nach Rom gekommen. Liegt das eher an der Dezentralisierung? Papst Franziskus hat ja heilige Pforten in allen Bistümern der Welt gestattet. Oder liegt das eher an der Furcht vor Terroranschlägen?

Gänswein: Ich glaube, dass beides ein Grund ist. Es ist klar, wenn das Heilige Jahr dezentral gefeiert wird - und so will es Papst Franziskus -, dass weniger Menschen nach Rom kommen. In der Tat ist der zweite Grund vor allem für die englischsprachigen Länder eine Erklärung, warum bisher der Pilgerstrom etwas dünn ist.

Acknowledgement and Copyright:
Matthias Friebe - https://www.domradio.de/themen/ostern/2 ... iew-teil-1


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Re: 28/3/2016- Archbishop Georg Gänswein interview with Domr

Postby Sonia » Mon Mar 28, 2016 7:19 pm

28 March 2016

Archbishop Georg Gänswein interview with Domradio.de
Part 2

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"Gänsehaut-Momente in der Osternacht"

Im großen domradio.de-Interview spricht Erzbischof Georg Gänswein ausführlich über Ostern, seine Arbeit und die Theologie der Kar- und Ostertage. Im zweiten Teil: Die Bedeutung des Karsamstags und die Osternacht im Petersdom.

domradio.de: Ist Karsamstag für Sie ein Tag der Ruhe oder ist er tatsächlich schon geprägt von den Vorbereitungen für Ostern?

Erzbischof Georg Gänswein (Präfekt des päpstlichen Hauses): Da muss ich ganz ehrlich sein und zugeben, dass Karsamstag in der Tat schon ein Tag ist, an dem die Vorbereitungen auf Ostern mächtig im Gange sind. Und insofern ist der Karsamstag für mich immer ein relativ unruhiger Arbeitstag.

domradio.de: In der Liturgie ist es ein Tag des Schweigens. Wenn Sie sagen, dass es ein unruhiger Arbeitstag ist: Heißt das, er ist geprägt von der Vorfreude oder von dem Arbeiten und Wirken?

Gänswein: Auch da will ich ganz ehrlich sein: Vormittags ist es in der Tat das Mühen um all das, was ich beruflich zu tun habe im Hinblick auf den Ostertag, was Liturgie und Audienzen betrifft. Ab dem Nachmittag beginnt dann ganz langsam der Einstieg in die Vorfreude, die natürlich dann mächtig ansteigt in der Osternachtsfeier.

domradio.de: Und Sie sind auch jetzt noch - nachdem Sie schon einige Osternächte in Ihrem Leben erlebt haben - immer noch gepackt von dieser Stimmung?

Gänswein: Ich lasse mich von der Liturgie an die Hand nehmen und bin immer wieder überrascht, welche neuen Aspekte mir die Liturgie aufzeigt, die ja jedes Jahr die gleiche ist. Es wiederholen sich die Texte, die Symbole, die Rituale, aber wir ändern uns, ich ändere mich. Und mich da hineinnehmen zu lassen in das, was die Liturgie uns schenkt - die Teilnahme an dem, was vor 2000 Jahren geschehen ist -, ist etwas Großartiges und für mich persönlich etwas sehr Bereicherndes.

domradio.de: Und wenn ich Sie richtig verstehe auch etwas ganz und gar nicht Wegzudenkendes. Ich habe von Ihnen nämlich das Zitat gefunden: Ohne dieses Ereignis, ohne Ostern, wäre das Christentum totale Fehlanzeige.

Gänswein: Das wiederhole und unterstreiche ich.

domradio.de: Vielleicht können Sie uns das nochmal beschreiben, wie die Feier der Osternacht für Sie ist: Wenn die Osterkerze in den Petersdom einzieht, wenn das Halleluja wieder gesungen wird. Können Sie das in Worte fassen?

Gänswein: Ja, es beginnt mit der Weihe der Osterkerze im Atrium des Petersdomes und dann der Einzug der Osterkerze mit dem dreimaligen Lumen Christi, also Licht Christi, im dunklen Dom. Das ist der Anfang der Osterfreude, die sich dann auch mit dem Licht und durch das Licht mehr und mehr steigert - auch durch das später dann gesungene Halleluja. Für mich ist die Liturgie Hilfe, in die Tiefe des Geheimnisses unseres Glaubens hinabzusteigen und aus dieser Tiefe zu leben. Und da ist es für mich tatsächlich jedes Jahr ein neues Erlebnis, dass ich daran teilnehme und dass ich aus dieser Teilnahme Kraft, Freude und Trost schöpfe.

domradio.de: Erzeugt das auch manchmal Gänsehaut?

Gänswein: Das ist zwischen dem ersten und dem zweiten Lumen Christi. Wenn dann langsam im Schiff des Petersdomes das Osterlicht, das heißt kleine Kerzen, verteilt und angezündet werden. Wenn es nach und nach heller wird. Das ist für mich ein ganz leicht gänsehäutiger Moment.

Acknowledgement and Copyright:
Matthias Friebe - https://www.domradio.de/themen/ostern/2 ... iew-teil-2


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Re: 28/3/2016 - Archbishop Gänswein interview with Domradio.

Postby Sonia » Mon Mar 28, 2016 7:22 pm

28 March 2016

Archbishop Georg Gänswein interview with Domradio.de
Part 3

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"Barmherzigkeit soll unser Leben prägen"

Im großen domradio.de-Interview spricht Erzbischof Georg Gänswein ausführlich über Ostern, seine Arbeit und die Theologie der Kar- und Ostertage. Im dritten Teil: Seine persönliche Sicht auf Ostern.

domradio.de: Diese großen Liturgien der Kar- und Ostertage - das sind lange, intensive Gottesdienste - sind durchaus anstrengend für die Mitfeiernden. Wie steht Papst Franziskus, der in diesem Jahr ja 80 Jahre alt wird, das alles durch?

Erzbischof Georg Gänswein (Präfekt des päpstlichen Hauses): Es ist immer wieder erfreulich und auf der anderen Seite auch unverständlich, wie Papst Franziskus im Alter so viel Energie hat und so energisch und kraftvoll nicht nur die Osterfeiern, sondern auch anderes durchsteht. Er hat eine Kraftquelle in sich, die meines Erachtens nur mit seinem intensiven geistlichen Leben zu erklären ist.

domradio.de: Wird Ostern in Rom eigentlich anders gefeiert als in Deutschland, gibt es da spezielle Besonderheiten?

Gänswein: Wenn ich an meine Jugend und meine Kindheit in Deutschland denke und jetzt an Rom, muss ich gestehen: Es gibt eine Reihe von Osterbräuchen, die ich aus meiner Kindheit kenne, die ich hier in Rom nicht angetroffen habe, die wir Deutschen aber in den Vatikan mitgenommen haben.

domradio.de: Welche sind das zum Beispiel?

Gänswein: Das Osterfrühstück ist etwas, was ich hier in Rom nicht kennengelernt habe. Und auch Ostersträuße habe ich hier in Rom nur dort angetroffen, wo deutsche Katholiken waren.

domradio.de: Fehlt Ihnen das manchmal... das und vielleicht auch der ein oder andere Gesang im Gottesdienst?

Gänswein: Da haben Sie völlig recht. Was das Singen in den Gottesdiensten betrifft - ich spreche jetzt nicht vom Petersdom, sondern allgemein von Italien - da würde ich mir schon mehr und auch etwas lebendigere und kräftigere Lieder wünschen.

domradio.de: In vielen Gemeinden hier in Deutschland ist es ja üblich, dass nach der Osternacht gefeiert wird - zum Beispiel in den Gemeindesälen - und dass auch die Priester gemeinsam anstoßen und feiern. Passiert das eigentlich im Vatikan auch? Stoßen Sie mit dem Papst noch auf ein Glas Rotwein an?

Gänswein: Im ersten Jahr seines Pontifikates, als ich in der Osternacht in Santa Marta übernachtet habe, hat er uns alle auf ein kleines Glas Sekt und etwas Süßes eingeladen. Im Kloster mit Papst Benedikt ist es so: Wenn ich aus der Osternacht im Petersdom komme, hat sich Papst Benedikt schon zurückgezogen. Aber ich stoße dann mit den Memores auf Ostern an.

domradio.de: Wie feiern Sie dann persönlich Ostern. Bleibt es beim Anstoßen oder passiert dann am Ostersonntag noch mehr?

Gänswein: Am Ostersonntag ist nach dem Ostergottesdienst das Osterfrühstück oder - modern gesagt - der Brunch. Da ich aber zuerst Papst Franziskus auf den Petersplatz begleite, dort an der Messe und anschließend am Segen Urbi et Obri teilnehme, komme ich erst um halb eins heim und steige dann recht spät ins Osterfrühstück ein.

domradio.de: In der Predigt an Palmsonntag hat der Papst gesagt, Jesus hätte die Macht gehabt, vom Kreuz abzusteigen, aber er wollte die Provokation nicht, dass das Böse mit Gewalt besiegt wird. Statt dessen gibt er sich hin und zeigt seine Barmherzigkeit. Inwieweit ist dieses Vorbild des am Kreuz hängenden Jesus für uns eine Richtschnur?

Gänswein: Es ist eines der großen Geheimnisse, dass der Allmächtige Gott uns Menschen hätte anders erlösen können, es aber nicht tat. Er hat sich hinabgebeugt, hat in Demut seinen Sohn geopfert - das ist ein sehr gefährliches Wort aber ich sage es trotzdem. Der Sohn hat dieses Opfer angenommen - denken wir an die Ölberg-Szene. Das bedeutet konkret, dass wir dieses Verhalten der Barmherzigkeit auch im eigenen Leben führen sollen.

Acknowledgement and Copyright:
Matthias Friebe - https://www.domradio.de/themen/karwoche ... iew-teil-3


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Re: 28/3/2016 - Archbishop Gänswein interview with Domradio.

Postby Sonia » Tue Mar 29, 2016 9:38 pm

28 March 2016

Archbishop Georg Gänswein interview with Domradio.de
Part 4

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"Franziskus ist eine recht impulsive Persönlichkeit"

Im großen domradio.de-Interview spricht Erzbischof Georg Gänswein ausführlich über Ostern, seine Arbeit und die Theologie der Kar- und Ostertage. Im vierten und letzten Teil: Die Zusammenarbeit mit Franziskus und Benedikt XVI.

domradio.de: Sie haben uns in den vergangen Tagen schon sehr viel über Karfreitag, Ostern und das Heilige Jahr erzählt. Wir möchten aber auch gerne etwas über Ihre Arbeit erfahren. Sie haben einmal gesagt, sie hätten sich den Doppeljob als Präfekt des päpstlichen Hauses und Sekretär des emeritierten Papstes Benedikt XVI. nicht ausgesucht. Aber nach drei Jahren ist es nun Gewohnheit geworden, oder?

Erzbischof Georg Gänswein (Präfekt des päpstlichen Hauses und Privatsekretär von Papst em. Benedikt XVI.): Gewohnheit im guten Sinne des Wortes, nicht in dem Sinne, dass es Routine geworden ist. Wenn ich nach drei Jahren nicht eine gewisse Erfahrung hätte, dann würde ich etwas falsch machen. Es ist eine Herausforderung am ersten Tag gewesen, und es ist und bleibt auch eine Herausforderung nach drei Jahren.

domradio.de: Über die Zeit des Rücktritts von Benedikt XVI. und die Wahl von Franziskus haben Sie schon in den Medien berichtet. Sie sind eigentlich manchmal müde, immer die gleichen Fragen beantworten zu müssen?

Gänswein: "Repetitio est mater studiorum" - also die Wiederholung ist die Mutter des Lernens. Manchmal ist es so, dass die Wiederholung hilft, das im Gedächtnis zu behalten, was wichtig ist. Auf der anderen Seite kann man auch zu viel des Guten sagen.

domradio.de: Dann lassen Sie mich nach Franziskus fragen. Er ist in vielen Medien ein Star. Auch nach drei Jahren hat er einen gewissen Kultstatus. Wie erklären Sie sich das? Bei Benedikt XVI. ist das Bild ja schneller umgeschlagen.

Gänswein: Wir schauen von Deutschland auf den Vatikan und auf den Papst. Es gibt andere Länder, die schauen von ihrer Seite auf den Papst. Das war bei Benedikt XVI., bei Johannes Paul II. und jetzt bei Franziskus so. In der Tat ist festzustellen, dass der mediale Erfolg - wenn man von Erfolg reden darf - von Papst Franziskus sehr groß ist. Wenn dieser mediale Erfolg tatsächlich auch zu einer Verlebendigung oder Wieder-Lebendigwerdung des Glaubens beiträgt, dann kann man ihm nur von ganzem Herzen großen medialen Erfolg wünschen. Denn darum geht es letztendlich. Es geht nicht um eine Person, die sich wie ein Rockstar in den Mittelpunkt stellt, sondern es geht darum, dass durch eine Person die Botschaft für eine andere Person, nämlich Jesus Christus, die Hauptrolle spielt. Und die soll auch die Hauptrolle bleiben.

domradio.de: Nach Ostern soll das nachsynodale Schreiben nach der Familiensynode veröffentlicht werden. Glauben Sie, das Bild von Franziskus ist nach der Veröffentlichung des Schreibens immer noch das gleiche?

Gänswein: Ich glaube nicht, dass Papst Franziskus sich darum kümmert, ob er Ansehen in Bezug auf den Inhalt gewinnt oder verliert, sondern dass er als oberster Hirte der universalen Kirche seines Amtes waltet und tatsächlich aus Überzeugung das sagt, was er als oberster Hirte der Kirche zu sagen hat.

domradio.de: Das heißt, er verspürt überhaupt keinen Druck bei diesem Thema?

Gänswein: Das hoffe ich nicht.

domradio.de: Sprechen Sie denn mit dem Papst, wenn Sie ihn im Alltag oder bei der Arbeit begleiten, auch manchmal über Deutschland? Fragt er Sie auch manchmal über Ihre Heimat und was in Deutschland so passiert?

Gänswein: Über das, was ich mit Papst Franziskus unter vier Augen spreche, möchte ich an dieser Stelle keine Auskunft geben.

domradio.de: Aber Sie können uns vielleicht sagen, ob er etwas von der deutschen Politik wahrnimmt, weil gerade hier in Deutschland die Flüchtlinge ein großes Thema sind und die liegen Papst Franziskus ja auch sehr am Herzen.

Gänswein: Das ist in der Tat so. Wenn man mit spitzen Ohren zuhört, kann man immer wieder in Predigten und Ansprachen oder zu anderen Gelegenheiten sehr wohl vernehmen, was Papst Franziskus darüber denkt. Da er darüber spricht, darf man davon ausgehen, dass er sich damit auch auseinandersetzt und dass er sich gut und gründlich informiert.

domradio.de: Das heißt, der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki, der sich ja auch dem Thema verschrieben hat, ist ein guter Anwalt für den Papst in Deutschland?

Gänswein: Er ist als solcher in Rom bekannt.

domradio.de: Immer wieder wurde über einen möglichen Deutschlandbesuch des Papstes gesprochen. Zuletzt hieß es: "Vorerst nicht". Ist damit das Thema vom Tisch?

Gänswein: Ich kann Ihnen diesbezüglich keine neueren Entscheidungen mitteilen.

domradio.de: Lassen Sie uns noch auf den dritten Jahrestag der Wahl von Papst Franziskus schauen. Sie haben kürzlich in einem Interview gesagt, es sei gelegentlich nicht ganz leicht mit ihm. Das müssen Sie uns näher erklären.

Gänswein: Das war natürlich humorvoll gemeint. Wer sich Tag für Tag um Papst Franziskus herum aufhält, der merkt natürlich, dass seine Persönlichkeit recht impulsiv ist. Er hat eine sehr lebendige Persönlichkeit. Da kann es durchaus vorkommen, dass das ein oder andere manchmal nicht so gut läuft und da muss man mit Fingerspitzengefühl und Humor - aber auch mit Entschiedenheit - eingreifen.

domradio.de: Dann müssen Sie manchmal den Terminkalender neu sortieren?

Gänswein: Der Radiergummi liegt häufig daneben, damit ich da bestimmte Dinge ändern kann. Manchmal auch in letzter Minute.

domradio.de: Muss sich der Vatikan insgesamt immer noch auf den Stil von Papst Franziskus einstellen?

Gänswein: Wenn man in Anlehnung an den Fußball das Bild vom Standbein und vom Spiel- oder Schussbein nehmen darf, dann ist das Standbein inzwischen so, dass sich alle daran gewöhnt haben. Beim Spielbein hängt es davon ab, ob man sehr nah mit ihm zusammenarbeitet oder ein bisschen weiter weg. Wer sehr nah daran ist, der muss sich tatsächlich immer an Neues gewöhnen und sich auf Neues einstellen. Aber auch das gehört zum täglichen Leben und das hält jung.

domradio.de: Schauen wir auch noch auf Papst Emeritus Benedikt XVI. Können Sie uns sagen, wie es ihm geht?

Gänswein: Papst Benedikt XVI. geht es gut. Er ist ein Mann, der geistig hellwach ist. Mit den Beinen hat er mehr und mehr Schwierigkeiten. Er bewegt sich sehr gut mit einem Rollator, aber er merkt das Alter ohne dass ihm etwas Bestimmtes wehtäte. Er ist gut beieinander und im Frieden mit sich, mit der Welt und mit dem lieben Gott.

domradio.de: Sie haben schon einmal seinen Tagesablauf beschrieben und auch die Korrespondenz, die er erledigt oder die Besuche, die er manchmal noch im Kloster Mater Ecclesia empfangen kann. Er hat sich jetzt jüngst zu Wort gemeldet und seinen Nachfolger gelobt. Passt das denn immer noch zum Vorsatz des Lebens in Abgeschiedenheit?

Gänswein: Wenn ich mich recht erinnere, dann spielen Sie auf das sogenannte Interview zu einem Symposium über die Rechtfertigung an.

domradio.de: Genau.

Gänswein: Das war nicht in Bezug auf seinen Nachfolger gemünzt, sondern dabei ging es darum, dass ihm bestimmte Fragen zur Rechtfertigung gestellt wurden und er gebeten wurde, darauf zu antworten. Wer diese Fragen und Antworten liest, der sieht, wie Papst Benedikt nach wie vor theologisch tief denkt und da kann man in der Tat einiges erkennen, dass sich dann sehr wohl auf die Person seines Nachfolgers bezieht. Aber es ging um die Frage der Rechtfertigung im Glauben.

domradio.de: Also war das sozusagen eine Verkürzung durch die Medien?

Gänswein: Ja. Es ist sehr verkürzt dargestellt worden. Ich habe es gelesen und musste mich selbst ein bisschen wundern und etwas schmunzeln. Aber man kann in der Tat einen roten Faden in Hinblick auf ein Lob für Papst Franziskus erkennen.

domradio.de: Wie hat Papst Benedikt die Ostertage gefeiert? Feierte er tatsächlich in der Gemeinschaft des Klosters Mater Ecclesia die ganzen Liturgien wie Karfreitag und die Osternacht auch selbst?

Gänswein: So ist es. Wenn ich nicht da bin, ist meist als Konzelebrant ein Mitbruder da. Papst Benedikt hat tatsächlich die Feiern so zelebriert, wie es im Messbuch im Sinne der katholischen Kirche vorgeschrieben ist.


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Matthias Friebe - https://www.domradio.de/themen/vatikan/ ... iew-teil-4
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